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'Ruhiggestellt' und 'wesensverändert' durch ADHS-Medikamente?  

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Gutemine
(@gutemine)
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Der Begriff 'ruhiggestellt' oder auch 'wenensverändert' taucht immer wieder in Postings und Kommentaren zum Thema ADHS-Medikamente auf und sorgt für Unverständnis, Unruhe und Diskussionen.

Hier meine persönliche Meinung dazu:

Für viele bedeutet der Begriff 'ruhigestellt' etwas völlig anderes.
Für mich z.B. bedeutet er: Jemand bekommt ne Pille und sitzt dann den ganzen Tag fast bewegunslos im Sessel und stiert vor sich hin ...
Das ist und war bei meinem Sohn nie der Fall 😀
Mein Sohn (12) ist ein 'Mischtyp', d.h. Phasen von motorischer Unruhe und Phasen von innerer Unruhe, und dem daraus resultierenden Wegträumen und verpeilt sein, wechseln sich ab.
Die innere und vor allem die äußere Unruhe rühren bei ihm daher, dass er ohne(!) sein unterstützendes Medikament 'Kirmes im Kopf' hat, sich nur sehr schlecht und mit größter Anstengung konzentrieren kann, keinen Gedanken zu fassen bekommt und diesen auch nicht zu Ende denken kann. Er springt, hüpft, singt und plappert ohne Unterlass mit riesigen Gedankensprüngen ... das alles jedoch in fröhlich-freundlicher Grundhaltung - nichtsdestotrotz belastet es ihn(!) sehr und natürlich andere, die mit ihm zusammen sind.
Mit seinem Medikament hat er keine Kirmes. Er ist klarer und sortierter, seine innere und die äußere Unruhe sind so gut wie weg.
Er hüpft, springt singt und plappert immer noch, ABER nur, wenn ihm danach ist, wenn er(!) es möchte. Und nicht, weil er dazu getrieben wird!
Mit seinem Medikament ist er einfach so, wie er ohne ADHS wäre und er wird von allen Außenstehenden auch als ganz normaler Lausebengel wahrgenommen 🙂
Die, die ihn nicht so oft erleben, merken aber manchmal den Unterschied von 'mit' und 'ohne' und lassen dann schon mal Bemerkungen fallen wie: "Heute hat er aber nen ruhigen Tag".
Ganz viele verwechseln das dann mit 'ruhiggestellt', was er ja aber gar nicht ist.
Und auch viele Eltern haben sich im Laufe der Jahre so an ihr 'Duracellhäschen' gewöhnt, dass sie in der Tat ihr Kind bei der Neueinstellung mit Medikamenten als 'ruhiggestellt' empfinden ... sie sind es ja nicht anders gewöhnt.
Hier muss man erklären und aufklären, damit die Eltern lernen zu differenzieren.

AntwortZitat
Veröffentlicht : 02/05/2018 2:24 pm
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