Gegendarstellung – AD(H)S ist nicht erfunden!

In den letzten zwei Jahren hat die Verbreitung einiger Artikel im Internet, die die Stigmatisierung von AD(H)S Betroffenen als Ergebnis zur Folge hat, stark zugenommen. Die Rede ist von Berichten, die die Pharmaindustrie, und deren methylphenidathaltigen Produkte, in Misskredit bringen soll. Eines der bekanntesten Medikamente mit diesem Inhaltsstoff ist Ritalin. Die Autoren, die damit vermutlich ein hehres Ziel verfolgen, schaden damit jedoch nur Menschen, die an der „Stoffwechselstörung“ AD(H)S tatsächlich leiden.

Ein besonders erschreckendes Beispiel einer solchen Kampagne, ist die offenbar erfundene Geschichte von Leon Eisenberg. Leon Eisenberg war ein anerkannter Forscher, der in den fünfziger und sechziger Jahren an Studien beteiligt war, die Autismus und AD(H)S zur Grundlage hatten. Er beschäftigte sich ebenfalls mit der Wirkungsweise von Methylphenidat (heute in Ritalin & Co. enthalten), dass er als probates Mittel gegen AD(H)S bestätigen konnte. Da seine Entdeckungen unter anderem aber auch publiziert wurden und die Diagnosen dadurch sprunghaft zunahmen, warnte er in einem Interview vor voreiligen Diagnosen. Dieses Interview wird in einigen Artikeln von Ritalin-Gegnern derartig verdreht, dass Herr Eisenberg noch auf seinem Sterbebett gesagt haben soll, dass es AD(H)S in Wirklichkeit nicht gibt und eine erfundene Krankheit sei. Der arme Mann, missbraucht noch nach dem Tod. Er ruhe in Frieden!

Auch die Geschichte des Kopp-Verlag, die dieser zum Anlass nimmt drei Bücher damit intensiv zu vermarkten, löst bei unwissenden Lesern ein gewisses Unbehagen aus. Geht es in dem Artikel doch um unsere armen Kinder, an dem der Pharmariese Novartis viele Milliarden Dollar verdienen soll, weil Kindern Medikamente gegen eine scheinbar erfundene Krankheit verabreicht werden. Er beruft sich neuerdings auf die oben bereits beschriebene Story.

Doch was ist wahr?
Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik veröffentlichte in einem Artikel, dass sich die Liste der Autoren des Kopp-Verlags wie ein „Who-is-Who der deutschen Verschwörungsliteratur“ lese, enthalten sind einige Autoren „mit Nähe zu rechtem und esoterischem Gedankengut“, die „in der rechten Szene gerne zitiert werden“. Verlegt würden außerdem auch Werke von Jan Udo Holey, dessen Bücher „durchsetzt mit rechtsextremer Esoterik“ wären. Öffentliche Bekanntheit bekam der Verlag aufgrund der Arbeiten Eva Hermans. Er ist wegen seines Spektrum an Themen und einiger Autoren scheinbar enorm umstritten. Veröffentlicht werden unter anderem Taschenbücher zu Themen der Prä-Astronautik, der „Ufologie“, der Astrologie, des erfundenen Mittelalters, des Kreationismus, des Islamismus, der Geomantie sowie der germanischen Mythologie, der Freiwirtschaftslehre und „Enthüllungen“ wie der sogenannten „linken Lebenslügen“.

Das Fazit: Diese, offenbar verklärten Geschichten, werden im Internet so intensiv und geschickt platziert, dass sie eine große Verbreitung erfahren und bei Kindergärtnerinnen, Lehrern und sogar bei Ärzten auf dem Tisch landen. Erschreckend, da in Wirklichkeit doch scheinbar handfeste Vermarktungsstrategien dubioser Verlage, Autoren und Verschwörungstheoretiker hinter den unhaltbaren Behauptungen, die in diesen Geschichten ruhen, stecken. Das Ergebnis ist die Stigmatisierung von Eltern mit betroffenen Kindern oder ein negativ geprägtes Meinungsbildung betroffener Erwachsene, die aber genau dies aufgrund ihres Krankheitsbildes schon häufig als „roten Faden“ ihres Lebens erfahren.

Betroffene Erwachsene und Eltern von betroffenen Kindern mit AD(H)S sind sich einig: Niemals würden sie sich oder ihren Kindern leichtfertig Medikamente verabreichen. Bevor Medikamente in die engere Wahl gezogen werden muss AD(H)S eindeutig und von erfahrenen Spezialisten diagnostiziert worden sein. In der Regel lösen Betroffene oder Eltern auch erst dann ihr erstes Rezept ein, wenn der Leidensdruck entsprechend hoch war und zuvor viele alternative Methoden oder Therapien nachgegangen wurde. Nur wenige schaffen es damit dauerhaft ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Letztendlich entscheidet die Schwere und Ausprägung des AD(H)S auch über die Medikation.

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