Kleiner Lebenslauf

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    • Kleiner Lebenslauf

      Ja wie fange ich mal an? Am besten erstmal zur Erklärung, ich habe bis jetzt nur den Verdacht Ads zu haben, da ich mich in vielen Sachen bei meinen Kindern, die Ads und Adhs haben, wiedererkenne. Ich versuche halt mal mein Leben Revue passieren zu lassen, was so alles schief gelaufen ist, was vielleicht bei einer frühzeitigen Diagnose, wie es heute ja Gott sei Dank ist, besser gewesen wäre.
      Meine Mutter hat mich drei Tage vor ihrem 18.Geburtstag bekommen, ich war eigl eher nur Mittel zum Zweck, um aus ihrem Elternhaus rauszukommen. Mein Vater war auch grad mal 18, aus Erzählungen weiß ich, und auch Dinge die ich selbst noch mitbekommen habe, daß er bestimmt auch Adhs hatte. Die beiden waren ziemlich überfordert mit der ganzen Situation, haben sich dann auch ziemlich schnell nach meiner Geburt getrennt. Ich hab in meiner Kindheit immer sehr viel Zeit bei meiner Oma verbracht. Zu meinem Vater hatte ich bis ich knapp 18 war kaum Kontakt, da er Alkoholiker und kriminell geworden ist. Irgendwann hat er aber den Absprung noch geschafft und war bis zu seinem Tod vor zwei Jahren trocken .Meine Mutter hat meinen Stiefvater kennengelernt ,als ich zwei war ,er war eigl immer mein Papa. Die Situation wurde aber schwieriger, als meine Schwester(da war ich 10)geboren wurde, da hab ich mich immer als das lästige Anhängsel gefühlt. Meine Mutter war nie eine Person, die ihre Gefühle zeigt oder über Gefühle redet ,ich kann mich an kein „ich hab Dich lieb“ erinnern. Bei meiner Schwester war sie da schon weit offener.
      Mit sechs Jahren wurde ich ganz normal eingeschult, aber schon nach kurzer Zeit wieder aus der Schule genommen und in eine Vorschule gesteckt, da ich keinerlei Konzentration hatte und zb für einen Stift aussuchen ewig gebraucht habe. Ein Jahr später wurde ich dann erneut eingeschult, aber die Probleme waren weiterhin da. In allen meinen Zeugnissen steht “Andrea läßt sich leicht ablenken, ist unkonzentriert“. Na ja die Grundschule hab ich dann noch halbwegs ok rumbekommen, mit einem Schulwechsel nach zwei Jahren wegen Umzug, das war auch megaschwer, wieder neue Umstände Personen Freunde etc. Ich habe dann eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen, meine Mutter wollte aber unbedingt, daß ich auf die Realschule gehe. Das war eine echte Qual, von der Intelligenz her wäre das super gut gegangen, aber Konzentration gleich null, aber das hat da ja keiner so beachtet .Da wurde mir der Stoff mehr oder weniger eingeprügelt, damit ich bloß nicht von der Schule muß, denn das hätte nicht in das Bild meiner Mutter gepasst, ich hatte mit jeder schlechten Note in der Tasche Angst nach Hause zu gehen .Am Ende der achten Klasse, ging dann nichts mehr und ich bin mit sieben(!!)fünfen auf die Hauptschule gewechselt. Das neunte Schuljahr war noch etwas Qual, in der 10 hab ich dann sogar ein passables Halbjahreszeugnis gehabt, das lag aber an den Top Lehrern, die ich da hatte. Wir hatte in der 9.und 10. Klasse ein Berufspraktikum, da wurde ich regelrecht dazu gedrängt ,es in dem Pflegeheim zu machen in dem meine Mutter gearbeitet hat. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, aber ich war nie sicher, ob ich es gerne als Ausbildung machen möchte, aber irgendwie hatte ich keine Wahl. Da ich aber auch selbst nicht viele Alternativen vorweisen konnte, da halt für mich andere Sachen interessanter als Schule etc waren. Na ja 2 Jahre Praktikum im Pflegeheim, die zu der Zeit Vorraussetzung für die Ausbildung waren ,hab ich nicht ganz geschafft. Ich war zwar gut in meinen Job, so gut, daß ich als Praktikantin, den gleichen Job wie eine Pflegehelferin machen mußte, aber es gab immer wieder Streß mit Vorgesetzten, weil ich manches Mal nicht eingesehen habe, warum ich so arbeiten soll wie sie sagen und nicht wie ich will. Und da man seine Klappe ja auch nicht so wirklich im Zaum hat, hab ich meiner Schichtleitung mal das passende gesagt, na ja Ärger gabs dann zu Hause von meiner Ma.
      Zu der Zeit oder besser gesagt schon eher waren Jungs natürlich auch ein Thema. Und selbst das lief nicht „normal „wie bei anderen ab, sondern mit 15 wurde aus dem ersten Kuss überhaupt gleich das erste Mal. Aber eigl nicht, weil ich das so wollte, sondern eher, weil die meisten aus meiner Klasse schon hatten und ich so dazu gehören wollte, denn Freundschaften waren für mich auch immer sehr schwierig. Da hab ich aber irgendwie gemerkt, ok so kriegst Du Bestätigung. Deswegen hatte ich bis ich 20 war keine richtige Beziehung, sonder eher kurzweilige Sachen.
      Mit 19 hab ich dann angefangen, erstmal am Wochenende in einer Kneipe zu arbeiten. Das hat mir dann aber so gut gefallen ,klar das war ungezwungener als die Arbeit im Heim, daß ich mein Praktikum geschmissen habe. Daraufhin hat meine Mutter mich zu Hause rausgeschmissen. Da kam das erste mal ein leichter Absturz. Mein Chef in der Kneipe hat selbst gerne mal einen gebechert, und so haben wir als Kellnerinnen das natürlich auch. Und das nicht wenig, eigl jeden Abend. Aber das hat mir zumindest zu der Zeit das Gefühl gegeben es hilft mir. Da ging natürlich das Thema Männerbekanntschaften auch weiter und nicht zu knapp. Das war halt irgendwie immer eine Bestätigung, man weiß ja eigl, daß das Leben so ziemlich verkorkst ist, aber der Antrieb was zu ändern fehlt. Beziehungen waren mir immer irgendwie zu anstrengend, ich hab ich unverstanden gefühlt, konnte aber nie wirklich drüber reden, was mich gestört hat, weil ich es ja nie gelernt habe. Ich habe im Grunde da angefangen, eine Mauer um mich rum aufzubauen, damit keiner zu nah an mich rankommt, meine Gefühle erkennen und verletzten kann.
      Mit 21 hab ich mich dann nach ziemlich kurzer Beziehung in meine erste Ehe gestürtzt. Und wie sollte es anders sein, ein ablsolutes Desaster. Das einzig Gute daran war, daß ich den Absprung aus der Arbeit in der Kneipe geschafft habe. Ich habe dann eine Ausbildung zur Tierarzthelferin angefangen, die ich aber auch nur knapp zwei Jahre durchgehalten habe. Meine damalige Chefin hatte noch mehr psychische Probleme als ich. Die Ehe war schon lange beendet, da habe ich durch die Arbeit jemanden kennergelernt. Es war eigl soweit alles ok, bis ich das erste Mal bei ihm übernachten wollte, und da stand noch das Foto der Exfreundin auf dem Nachttisch. Na ja hab ihn dann kurzerhand gegen seinen besten Freund eingetauscht. Das ist der Vater meiner Tochter, aber auch diese Ehe war nach zwei Jahren vorbei, weil es immer wieder die gleichen Probleme gab, ich hab ihn nicht an mich rangelassen, hab mich dann aber unverstanden gefühlt, und meine innerliche Unruhe hat er auch nie verstanden. Da stand ich dann mit einer 2jährigen und alleinerziehend. Kurz danach hab ich dann einen alten Jugendfreund wiedergetroffen und kurz die alte „Liebe“ wieder aufleben lassen ,sprich zwei Bettreffen. Daraus ist dann mein Sohn enstanden (anscheinend sollten manche Männer nochmal im Bezug auf Kondome üben J ).Da war ich dann Alleinerziehende Mama von zwei Kindern, wobei der Kurze bis er acht Monate war ein absolutes Schreibaby war. Das war eine Megaanstrengende Zeit. Da hab ich eine sporadische Affäre mit einem verheirateten Mann angefangen, die dann alles in allem so ca 6 Jahre lang ging .Ich hab mir auch nebenher immer mal ein Abenteuer gesucht, um wieder meine Bestätigung zu bekommen, denn den Glauben an eine Beziehung hab ich da aufgegeben gehabt. Ich hab immer gedacht ich bin eh nicht dazu fähig .Als mein Sohnemannn dann so ca 2 war, habe ich eine Kaufsucht entwickelt, die auch schon in einer Räumungsklage geendet hat. Ich habe dann eine Zeitlang einen Betreuer in finanziellen Angelegenheiten gehabt, und da hat mir meine Mutter auch mal geholfen. Durch eine Therapie, ist diese aber mittlerweile Gott sei Dank weg.
      Vier Jahre lang ist mein Leben dann praktisch so an mir vorbei gedümpelt, mit kurzen Abenteuern, wo man aber eigl den Wunsch nach einer festen Beziehung hat, aber ich nie wußte, wie ich das hinkriegen soll. Dann kamen meine Cousine und ihr Freund auf die Idee, mich für ein Internetspiel zu begeistern, und klar was soll ich sagen „Hallo neue Sucht“. Ich bin völlig in dem Spiel aufgegangen, ich hab zwar meist nur abends gespielt, aber trotzdem hat hier alle drunter gelitten. Dort hatte ich aber wieder meine Aufmerksamkeit, konnte mich beweisen, mit Leute nur übers Ts quatschen. Durch das Spiel habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt, daß war auch so eine ziemliche Hau ruck Aktion. Nach zwei Monaten ist er hier eingezogen. Vor zwei Jahren ist die Situation dann auch mal aus dem Ruder gelaufen, ich hab zwar viel an mir gearbeitet, kann Gefühle zulassen, darüber reden, aber es ist halt nicht alles perfekt. Das hat er aber zum Anlaß genommen sich bei einer Arbeitskollegin(natürlich heimlich)auszuheulen. Statt mit mir darüber zu reden. Ich habe dann rausgefunden, daß er heimlich Kontakt mit ihr hat, er hat mir dann gesagt er läßt es .Da hab ich ihm noch geglaubt. Ich hab dann aber rausgefunden, daß er mich angelogen hat, als ich ihn damit konfrontiert habe, hat er seine Sachen gepackt und ist für 3 Woche ausgezogen, und wohin??Richtig zu ihr. Er behauptet bis heute da war nix, aber glauben kann ich das nicht. Wie es weitergeht weiß ich auch nicht wirklich ,ich warte noch ab. Aber ich heute nicht mehr bereit, mich nur für einen Mann und die Bestätigung oder Aufmerksamkeit zu verbiegen.
      Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich einiges, was durch eine Diagnose der Ads bestimmt anders gelaufen wäre, aber ich kann jetzt nur das Beste daraus machen. Das Beste, was ich in meinem Leben hinbekomme habe, sind meine Kinder. Sie bekommen wegen ihrer Diagnose die Hilfe die sie brauchen und werden auch Dank einer „das Leben ist kein Ponyhof „Erziehung hoffentlich zu starken Erwachsenen.
      Ich kann nur sagen, ich bin stolz auf mich selbst, daß ich trotz allem nie aufgegeben habe und immer wieder aufgestanden bin ,viele meiner Erfahrungen haben mich auch nur stärker gemacht.
      Ich werde aber jetzt auch meine Testung in Angriff nehmen, denn warum soll man es mit fast 40 nicht noch machen? Vielleicht kehrt dann mal in mir selbst die Ruhe ein, die ich gerne hätte.
      Vielleicht hilft die Geschichte ja auch manchen, die überlegen, ob sie ihren Kids die Medis geben sollen, ja auf jeden Fall, denn es ist die Chance ein „normales „leben zu führen.
    • Boah ey, was für ein Leben! Hallo Xasa74, was für eine Ausdauer beim Schreiben. Das würde ich nicht hinkriegen...
      Ich habe mich auch erst mit Anfang 40 testen lassen, versprich dir nicht zuviel. Ich weiß jetzt viel mehr als vorher, mein Sohn kann davon provitieren aber für mich ist nicht viel verwertbares dabei heraus gekommen. aber lass` dich nicht entmutigen, testen ist auf jeden Fall richtig.

      Viele Grüße

      Uwe