Ritalin und Co. – Meine Luftballons!

Ich habe mich immer gefragt, wo den der Nebel ist, der weggeblasen wird? Wo ist der Vorhang, der auf geht, wenn ich eine Ritalin „einschmeiße“. Ok, erstmal Schritt für Schritt und von vorne:

Direkt nach einem Besuch bei einem Therapeuten, nachdem wir hier nach Freiburg gezogen waren, stieß ich auf folgende Seite: www.ads-bei-erwachsenen.de . Diese Seite war eine Überraschung. Gab es doch so viele Menschen mit AD(H)S die sich mit dem Thema (ADS bei Erwachsenen) auseinander setzen mussten.

Vorher versauerte ich viele Jahre in einem kleinen Dorf, in der Nähe von Achern (Achern bei Offenburg). Therapeuten sind dort Mangelware.

Das letzte Mal war ich also vor vielen Jahren bei einem Therapeuten, als ich noch in Baden-Baden gelebt hatte.
Dort hatte ich eine „gelungene“ Verhaltenstherapie, die mir bis mitte diesen Jahres auch „scheinbar“ geholfen hatte. … oder sagen wir mal: „Über Wasser gehalten hatte“.

Rückblickend würde ich eher sagen, das ich zu den ADS Typen gehöre, die es schaffen über viele Jahre einen Level zu halten, allerdings mit so viel Energie, das dann ein „BurnOut“ folgt.

Genauso haben wir es dann auch dort, im Dorf bei Achern, genannt. „BurnOut“, oder nahe dran! …dann der Umzug!

Juhu, es lebe Freiburg.

Ich ging hier also ersteinmal zu einem Therapeuten um mein „BurnOut“ zu „korrigieren“. Ganz nebenbei auch ein Therapeut für ADS. Nunja, dachte ich mir so, mein Neffe hat „es“ zwar auch, dies ist aber ersteinmal NEBENSACHE und außÂ?erdem ja nur eine Begleiterscheinung bei Kindern.

Bums… Fragebögen, Gespräche, Psychater, *durch den Fleischwolf gedreht* Diagnose = ADS = *Roter Pfaden des Lebens erkennent* = Metylphenidat von Hexal.

Zwischendurch war ich dann fast tausendmal in Foren und habe fast jeden Winkel des Internets nach „ADS bei Erwachsnen“ abgesucht und auch gelesen *so kommt es mir jedenfalls vor*.

Nun also, vor zwei Wochen etwa, habe ich das Metylphenidat von Hexal verschrieben bekommen. Man, hatte ich eine Angst, das es nicht wirken würde…. oder besser gesagt… , das es die typische Wirkung zeigen könnte, wie bei Menschen ohne ADS. Könnte ja auch sein, das ich gar kein ADS habe?

Ich hatte dem ganzen „Brumborium“ irgendwie nicht vertraut. Ich hatte der Erfahrung meines Therapeuten „irgenwie“ nicht geglaubt. Auch die Fragebögen gaben mir nicht genug „Sicherheit“! Die ganzen Gespräche ließen mich ebenfalls noch nicht „Glauben“.
Wenn dies auch so vieles in meinem Leben erklären würde, es erklären warum man munkelt, ich sei doch so „Wissbegierig“ und könne mir ein Fachbuch in einem Stück „reinziehen“ aber könnte trotzdem den Level nicht halten. So würde ich gleich mehrere Firmen hintereinander fast in den Bankrott treiben. „Er kann ja, aber will nicht“! Für mich war das dann eher die Erklärung warum meine „Kasse“ mal angenehm voll war und mal unangenehm leer.

So, nun kommen wir zum Anfang zurück: Ich nehme also das „Zeugs“. Aber, bei mir geht kein Vorhang auf! Der „Nebel“ verschwindet auch nicht! Eigendlich, denke ich, war ja auch nie ein „Nebel“ oder ein „Vorhang“ da. Nein, bei mir waren es viele Gedanken, viele Ziele, viele Projekte die einfach ganz normal „vohanden“ waren, also „sinngemäß“ lauter Luftballons, die nun alle platzten. Plötzlich war nur noch ein Luftballon da. Der Fokus auf das wesentliche!

Ich lerne nun, mithilfe meines Therapeuten, damit umzugehen. Es ist doch nicht so einfach, das ganze Verhalten, einstudiert um normal zu wirken und andere nicht mit im Chaos versinken zu lassen, wieder zu „normalisieren“ (inkl. „Rückzug“ und „Gefühle zulassen“).

6 Kommentare

  • Großer Bengel

    Ich bin seit längerem depressiv erkrankt und leide unter Zukunftsängsten und ADS/ ADHS.(Wurde in meiner Kindheit nicht behandelt,nicht diagnostiziert)

    Im vergangenen Jahr habe ich 2 Therapien hinter mich gebracht.
    Ich bin derzeit bei der LWL , nach 10wöchiger Reha-Therapie, wieder/weiterhin in Behandlung und habe am 04.02.09 einen Vorgesprächstermin für die
    Tageklinik.(Das 2.mal)

    Was kann ich mir unter der Selbsthilfegruppe vorstellen?
    Kostet dieses Geld?
    Da es mir nicht wirklich besser geht nach den beiden Therapien,suche ich weiter nach Hilfe,um meine Depressionen
    in den Griff zu bekommen und mein ADS/ADHS zu minimieren.
    Ich nehme auf anraten der Therapeutin und des Oberarztes der Therapieklinik,in der ich bis vor kurzem in Therapie war,RITALIN ein,welches ich z.Z.in voller Höhe aus eigener Tasche zahlen muß.

    Ausserdem nehme ich noch täglich seit 6 Mo. 300mg TREVILOR retard Kapseln zu mir.
    Und hin und wieder Einschlafhilfen.

    Ich bestreite nicht,daß mir die Thrapien auch etwas gebracht haben.
    Ich hab da ehrlich einige Dinge gelernt.
    Nur fällt es mir sehr schwer all dies in die Wirklichkeit,in der Praxis,umzusetzen.

    Ich fühle mich,seit ich wieder zu Hause bin,sehr isoliert und einsamer als vor den Therapien.
    Wenn es nach draußen unter Leute gehen soll,habe ich immer eine Ausrede(Lüge)parat,um abzusagen.
    Meine Therapeutin,die mich in der Rehamaßnahme betreute,legte mir Nahe,mich eventuell nach einer Selbsthilfegruppe umzusehen.
    Nun bin ich seit knapp 4 Wochen wieder zu Hause.
    Ich wurde weiter krankgeschrieben.

    Ich habe keinen Plan,wie es weitergeht.
    Bin seit einem Jahr arbeitsunfähig krankgeschrieben.
    Habe im privaten Umfeld niemanden der mich versteht.Weswegen ich auch da nicht über meine Erkrankungen sprechen will.
    Obwohl ich mich immer weniger sehen lasse und mich zu Hause in meiner Bude verkrieche.Ich denke,die meisten wissen gar nicht mehr wer ich bin.

  • Dirk Paga'dor

    Hallo @Großer Bengel,

    eine Selbsthilfegruppe ist in erster Linie dazu da, das Betroffene sich Treffen und gegenseitig helfen. Einige Selbsthilfegruppen werden auch von professionellen Therapeuten geleitet, die dann einen kleinen Unkostenbeitrag verlangen.

    In jedem Fall wird eine Selbsthilfegruppe nicht die Therapie oder den Arzt ersetzen können. Aber Sie gibt kraft, weil man sich nicht alleine fühlt. zumindestens geht es mir so.

    Wenn Du möchtest, kannst Du Dich ja mal bei mir melden (Kontaktformular), dann kann ich Dir evtl. Anlaufstellen mitteilen.

  • Nicolaj-Alexander

    Hallo Dirk,

    ich selbst habe ebenfalls ADS! Dies wurde aber in meiner Schulzeit erst als „Faulheit“ und dann als „Aufsässigkeit“ abgetan. Erst ein junger Lehrer wärend meiner Ausbildung hat mir geraden mich mal auf Legastenie und ADS prüfen zu lassen…Nun ist es mir bewusst und ich kann ganz anderst mit mir und meiner Umwelt anderst umgehen und kann meiner Tochter die ADSH hat helfen und Sie gut verstehen…

    Gruß aus dem Schwabenländle

  • Trici

    Mal ne Frage bekommst du das Medikament bezahlt?
    Ich mein wegen dem ganzen off-label dings bums da?

  • WOssi

    Danke Dirk!

    Whow! Ich habe meine ADS-Diagnose zum ersten Mal vor etwa zwei Monaten und meine zweite letzte Woche erhalten (laengere Geschichte).

    Morgen ist DER Termin! So denn mein EEG von gestern nichts ungewoehnliches Aufzeigt, wird morgen die Therapie mit Methylphenidat und einer begleitenden Verhaltenstherapie besprochen.

    Ich stehe genau an dem selben Punkt, wie Du vor etwa 4 Jahren. Auch ich bin ueber das Forum gestolpert, nachdem ich erst eine totale Laehmung mit tiefen Depressionen erfahren habe und nach rund einem Jahr Therapie auf PTBS keinerlei Fortschritte erkennen konnte.

    Und jetzt, quasi weniger als 24 Stunden vor dem Gespraech, zweifele ich wie ein Weltmeister an mir selbst. Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein. Vielleicht ist das alles ja doch alles nur eine Charakterschwaeche und – achtung jetzt kommts – ich „muss mich ja nur am Riemen reissen“.

    Und dann die quaelende Frage, was ist, wenn MPH bei mir eben so wirkt, wie bei nicht ADS’lern. Genau die selben Fragen, die Du Dir gestellt hast.

    Und so muss ich aktuell, getrieben von einer nicht fassbaren Kraft, mir nochmal alles ueber ADS durchlesen, alle Erfahrungsberichte fuer mich auswerten und alle Symptome noch einmal lesen (von denen die allermeisten auf mich zutreffen) um nicht zu vergessen, dass es mich tatsaechlich trifft und mein „Normalzustand“ eben doch noch optimiert werden kann.

    Vielen Dank fuer diesen Artikel. Nun geht es mir etwas besser … fuer die naechsten Minuten?

    Viele Gruesse aus dem Rheinland!

  • WOssi

    Oh – ich wollte noch sagen, ich bin jetzt 43. Ein Spaet-Erkannter also! 😉

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