Stärken durch ADS beim Erwachsenen

Neben den negativen Symptomen haben ADS-Betroffene auch viele Stärken oder positive Eigenschaften. Diese wurden beispielsweise von Bernd Heßlinger aufgelistet und den Schwächen gegenübergestellt. In der Psychotherapie wird versucht solche Stärken zu fördern.

Das ADS Betroffene natürlich nicht weiter hinnehmen möchten, das Sie scheinbar eine Charakterschwäche haben erklärt sich von alleine. Hierzu gibt es mittlerweile viele Blogger die dazu Stellung beziehen:
Beispiel: Habe ich ADS? Habe ich ADHS?

Zu den häufigen Stärken von ADS-Betroffenen gehört ihre Hypersensibilität, die sie Veränderungen sehr schnell erfassen lässt, was sich meist in einer besonderen Empathie und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn äußert. Ihre Begeisterungsfähigkeit, die sich in besonderer Kreativität und Offenheit äußern kann, ihre Impulsivität, die sie richtig dosiert zu interessanten Gesprächspartnern macht oder z. B. der Hyperfokus, der zu langem ausdauerndem und konzentriertem Arbeiten an bestimmten Themen führen kann. Hyperaktivität kann auch zu besonderer Begeisterung am Leistungssport führen.

Alle diese Stärken sind ADS-Symptome, die sich Betroffene mit leichter bis mittlerer ADS und in Grenzen auch schwer Betroffene nutzbar machen können. Am ehesten gelingt dies im Rahmen einer Verhaltenstherapie.

Thom Hartmann hat in seinem Buch ,,Eine andere Art die Welt zu sehen“ die These aufgestellt, Betroffene seien aus genetischer Sicht die Nachfahren der steinzeitlichen Jäger und Sammler (Hartmann nennt sie Hunter). Ihm zufolge ist die heutige moderne Gesellschaft eine Weiterentwicklung der Gesellschaft sesshaft gewordener Farmer. Um sich in dieser Gesellschaftsform leicht zurechtzufinden, benötigt man andere Voraussetzungen und Fähigkeiten als in einer von Huntern geprägten Gesellschaft. Dieser Unterschied zwingt Hunter dazu, sich mit ihren anderen Fähigkeiten und Voraussetzungen einer Farmer-Gesellschaft anzupassen. Wie ein Farmer zu leben, stellt für Hunter jedoch eine permanente potentielle Belastung dar. Daher stehen sie vor der Aufgabe, einen Weg zu finden, sich ihre Fähigkeiten trotz der ungünstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Vorteil machen zu können. Das Ziel ist, Anerkennung für ihre besonderen Talente zu erlangen, anstatt permanent nur ,,anzuecken“.

10 Kommentare

  • Markus

    Hallo zusammen. bin m, deutlich über 30 und durch massives surfen hab ich nun eine neue möglichkeit entdeckt, meine seit geburt an bestehenden macken zu etikettieren und (oh gott, kann es denn wahr sein?) eventuell kurieren!!!

    Es ist interessant, einmal mehr darauf hingewiesen zu werden, daß man auch Stärken hat – und daß auch mal jemand welche nennt (danke!).

    Das „anecken“ ist eine Dauerkrankheit (neben der fehlenden Anerkennung) – und das NichtVerstandenFühlen das eigentliche komorbide Krankheitsbild, welches die Unsicherheit in (ich sag mal:) unserem Leben ausmacht – so besonders wir auch sind, so gleich sind unsere anderen ansprüche an das leben: Geld, Wohnen, Leben – und irgendwoher muss es ja kommen.

    Genau: von den anderen „anderen“ (ja die, die immer wieder konformität abfordern, sonst…) und vergessen darf man ja auch nicht, daß wir wenn die welt sich für uns so drehte wie wir wollten – mit uns selbst nicht wirklich dauerhaft mit uns auskommen können.

    irgendeine hilfe braucht man, ständige zittrigkeit/ emfindlichkeit/ unwohlsein, verursacht durch schlechtes gewissen, was man alles schon wieder nicht fertig gebracht hat. immer dieses angewiesen sein auf die „richtige“ laune, besser stimmung…

    ja hat man lust dann kann man seinen hyperfokus ausleben, aber hallo! nur bestellen kann man den nicht. obwohl, pläneschmieden macht immer spass…

    kwestschn: kann man durch EEG feststellen, ob oder ob nicht…? hilft medikamenten-gabe – oder ist sie tunlichst zu vermeiden..?

    muss man sich wirklich irgend einem pschy-doc ausliefern, der völlig uneigennützig (weil top-ausgebildet) eine session nach der anderen verordnet..?

    was freu ich mich auf kompetente antwort.

    Markus

  • Carina

    Hallo Markus,
    bin f, auch deutlich über 30 plus „plusplus“!!
    bin vor einem Jahr diagnostiziert worden und nehme seid dem MPH. Bin in begleitender Behandlung, sprich bei Bedarf, unbedingt empfhelenswert. Das Medikament löst keine Probleme aber hilft sie zu lösen.
    Habe 18kg abgenommen; war mehr als notwendig,
    habe meine Panikattaken im Griff (wieder mehr Lebensfreude)
    Kann auch langweilige arbeiten besser durchhalten, somit hoffentlich kein verlust des arbeitsplates nach kurzer Zeit.
    Ich kann für mich nur behaupten, die Diagnose und Therapie mit MPH hat mein Leben gerettet.
    LG
    Carina

  • Karlchen

    Hallo Markus, hallo Carina,
    ich schreibe hier nicht als unmittelbarer Betroffener sonder als Mutter eines ADS-Erwachsenen. Wir leben mit ADS (ich will es nicht Krankheit nennen, da es in meinen Augen keine Krankheit im üblichen Sinne ist) seit nunmehr mehr als 12 Jahren und machen gerade wieder eine Hochphase mit unserem Sohn durch. Nachdem seine Therapie im Dezemver 2007 (mit der Begründung das eine medikamentöse Behandlung bei Erwachsenen nur in Ausnahmefällen übernommen werde)abgebrochen wurde (er wurde volljährig) begann leider das Dilemma und seine Ablehnung gegen jegliche Art von Therapie. Er hat es nun geschafft sein Leben innerhalb kürzester Zeit fast völlig zu ruinieren und wir haben jetzt als Eltern die Reißleine gezogen und das Heft wieder in die Hand genommen.
    Alle ADSler die wir kennen sind phantastische Menschen, manchmal sehr chaotisch und sehr ansprengend aber immer aufrichtig und nie falsch.
    Meine Frage an Euch ist nun welche Erfahrungen habt Ihr im Zusammenhang mit den Krankenkassen und der Übernahme der Therapie gemacht, welchen Arzt sollte man am besten aufsuchen: einen Neurologen oder Pschyotherapeuten? Als unser Sohn noh nicht volljährig war wurde er von einer auf ADS speziallisierten Kinder- und Jugendärztin behandelt.
    Es wäre schön wenn Ihr mir einmal hierzu Eure Erfahrungen mitteilen könntet.
    Herzlichen Dank im Voraus!
    LG
    Karlchen

  • Markus

    Hi Karlchen,

    ich weiß nicht ob ich überhaupt schon qualifiziert bin „tips“ zu geben, das wäre dann eher der ersteller der website (hallo dirk!). ich möchte nur kurz sagen, daß ich es richtig toll finde, daß ihr euch kümmert, und euren sohn lieb habt und auch gegen jeden widerstand gefeit seid, ohne ihn zu hassen. meine mutter ist mir z.b. nur als brutales monster in erinnerung geblieben.weiter so!

    wie das alles genau funzt weiss ich nicht, aber die „guten“ spezialisten findet ihr im netz sicher. auf jeden fall muß die diagnose her, und die muß umfangreich erarbeitet werden (EEG, MRT/CRT, Befragungen…) und natürlich den richtigen Arzt der das alles interpretieren soll.

    Bei einem volljährigen die Reißleine zu ziehen bzw. heft in die hand nehmen stelle ich mir allerdings sehr schwierig vor 😉 aber bleibt dran, viel zu viele chancen gehen mit den jahren dahin… und erst mitte/ ende dreißig wenn mans vielleicht gecheckt hat, ists für die realisierung der meisten träume dahin.

    G L G

    Markus

  • Karlchen

    Hallo Markus,
    Danke für Deine aufmunternden Worte und die Anerkennung die man leider sonst nie in dieser Form erhält. Vielmehr wird man viel zu oft als Elternteil degradiert und als zu nachgiebig, Versager in der Erziehung betitelt und all die netten Sachen die man sonst noch so zu hören bekommt. Bezüglich der Diagnose ist es bei uns etwas einfacher denn diese wurde bereits vor 12 Jahren, als unser Sohn acht Jahre alt war gestellt. Leider wurde die Behandlung nach der Vollendung seines 18.Lebensjahrs seitens der Kasse nicht mehr übernommen und die Therapie mußte abgebrochen werden da uns durch Arbeitslosigkeit eines Elternteils (sein Vater ist seint mehr als sechs Jahren arbeitslos) leider die finanziellen Mittel ausgingen. Das Dilemma haben wir nun.
    Für uns wäre es sehr wichtig zu erfahren ob jemand aus der Community Erfahrungen mit der Kostenübernahme durch eine gesetzliche Krankenkasse hat und eventuell hierzu Tipps geben kann, denn für uns steht fest das unser Sohn dringend wieder in die Therapie muss da er ansonsten „den Bach runter geht“.
    Es tut einem schon ganz schön weh wenn wir wieder aufgrund seines Verhaltens aneinander geraten (denn auch wir haben nur Nerven die seit Jahren sehr stark gefordert sind) und ganz genau erkennt das er das Chaos in dem er ist nicht beherrschen kann. Dann fragt man sich immer wieder warum diesen Menschen nicht uneingeschränkt geholfen wird, denn kein ADSler hat sich sein Handycap ausgesucht. Er hat soviel Träume und steht sich doch selbst immer wieder im Weg. Allen Betroffenen (ADSler selbst sowie Familienangehörige) kann ich nur raten sich Unterstützung zu suchen ansonsten ist man masslos überfordert und macht sich selbst kaputt.
    L G zürück
    Karlchen

  • Markus

    Hallo Karlchen,

    ich erkenne den Leidensdruck hinter Deinen Zeilen.

    Ich meine aber auch zu erkennen, daß auch Du/ Ihr möglicherweise Schwierigkeiten in Eurem Leben habt (Geld). Wie in verschiedenen Artikeln oder Büchern (z.B. Praxishandbuch ADHS) zu lesen, ist AD(H)S teils hochgradig vererbbar. Das bedeuetet nichts anderes, daß vielleicht auch bei Euch so eine Art der Erkrankung vorliegt, muss aber nicht zwingend so sein. Die Medikation kostet aber Geld – meiner persönlichen Meinung nach viel zu viel Geld, die Pharmakonzerne greifen ohnehin ab ohne Ende, seltsam daß dies aktuell nicht genug Thema im Verteilungskampf ist zwischen den KAssen und Ärtzen. Das hat aber nicht unbedingt mit (ich sag mal) uns zu tun – besorgen wir uns halt das Geld. Es gibt eine große Auswahl an völlig legalen Tätigkeiten, mit denen man (nebenbei) Geld verdienen kann – so dumm das klingt es ist eine ALternative. Und was sehr wichtig ist: Wie viele andere leidensgeprüften Eltern könnt auch Ihr die Möglichkeit ins Auge fassen, mittels Selbsthilfegruppen o.ä. Euer Thema raus aus der Anonymität zu bekommen und offen mit anderen an der Lösung dieser Probleme arbeiten. Vielleicht gibt es ja auch noch andere vertrauenswürdige Bezugsquellen als die Apotheke. AUf jeden FAll beneide ich Euren Sohn, daß ihr trotzdem liebevoll mit ihm umgeht und verständnis habt. womit ihr übrigens evtl rechnen könnt, ist ein zunehmendes verständnis für die umwelt seinerseits und der unbedingte versuch, nach „vorne“ zu kommen. so wars auf jeden fall bei mir – so bis 17 waren alle nur a…. und so ab 20 hab ichs ernsthaft versucht, mit 28 gingen mal sehr viele lichter auf einmal an… heut bin ich 36 und weiß es erst seit ein paar wochen. hätten meine eltern (besonders die mutter) nicht ein derart fieses verhalten an den tag gelegt, ginge es mir heute nicht so beschissen. ein weiterer tip ist, vielleicht nicht zu sehr an ihm „dran“ zu sein – das könnte ihn mehr und mehr dazu bringen, euch zu meiden – wenn er euch liebt (und das sollte er 😉 kommt er schon auch von selbst, denn die nackenschläge sind bei uns ja quasi vorhersehbar, und wenns nicht weiter geht, wer sonst solls schon richten als der papa… wie gesagt nehmt was ich sage nicht so ernst, ausser vielleicht das mit der selbsthilfegruppe.

    markus

  • Markus

    Hallo Zusammen

    Nach meinem 3 Monatigen Versuch mit Methylpheni-TAD komme ich zu folgendem Schluss:

    Das Zeug hat das Potential, dem Problem näher zu kommen. Es kann aber NICHT die Probleme für euch lösen, die ihr mit euch habt.

    ich denke heute, daß nur ein minimaler Bruchteil der Leute, die glauben ADHS zu haben, auch wirklich daran „leiden“.

    Der Wirkstoff KANN den Weg zeigen, insbesondere aus einer akuten Ohase heraus, man sollte allderings so bald als möglich wieder damit aufhören bzw. sich währnd der einnahmephase eingehend mit sich selbst beschäftigen.

    das thema dieses threads sind die stärken – DAS ist es worauf ihr euch besinnen müsst, und zusehen daß eure schwächen euch nicht daran hindern, diese auszuspielen.

    lernt euch kennen, um so mit euch besser klar zu kommen, sprich ein erfüllteres leben zu führen (was bedingen kann daß sich im wesentlichen euer leben ändert, und weniger ihr euch selbst).

    darum gehts – ein anspruch bis zur perfektion kann und wird nicht erfüllt werden.

    besten gruß

    markus

  • skagueboakeks

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  • gom 1960

    ich bin 50/m und adhs´ler.Durch die diagnose bei meinem sohn kam die fachärztin auf die idee ich könnte auch betroffen sein. ein sehr umfangreicher test bestätigte dies.jahrelang litt ich massiv unter den verschiedensten (typichen) symptomen(suchtverhalten jeglicher art,arbeitsplatz war gefährdet usw.)seit dem ich mph nehme verbessert sich meine situation stetig,natürlich löst mph nicht die probleme,sondern meine fähigkeit mit situationen umzugehen.aber mein antrainiertes verhalten der lezten 40-45 jahre lässt sich nicht ohne weiteres abstellen.zudem hat mein umfeld zwar festgestellt ich arbeite zuverlässiger,aber sie sind mein anderes verhalten halt noch gewöhnt und das lässt sich nicht ohne weiteres ändern.mit der zeit,glaube ich wird sich auch einiges bessern.mein fazit:ich beobachte mich und versuche mich nicht zu verbiegen,abermeine stärke zu nutzen.

    tschö gom1960

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