Ursachen der ADHS beim Erwachsenen

Nach derzeitigem Forschungsstand (Sommer 2008) ist von einer multifaktoriellen Verursachung von ADHS auszugehen, also dem Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Bei ca. 50 % der darauf untersuchten ADHS-Betroffenen besteht eine genetisch bedingte Anormalität der neuronalen Signalverarbeitung im Gehirn.

Links: Gehirnaktivität einer Person ohne ADS. Rechts: Aktivität einer Person mit ADS.

Davon sind insbesondere neuronale Regelkreise betroffen, die für die Regulation bzw. das Zusammenwirken von Motivation, Kognition, Emotion und dem Bewegungsverhalten verantwortlich sind. Da das Frontalhirn eine bedeutende Rolle spielt, spricht man auch von einer Striatofrontalen Dysfunktion. Diese ist zu einem Teil vererbt, eventuell aber auch während der Schwangerschaft erworben. Geschwister haben 3 bis 5 mal so häufig ADHS wie Nicht-Geschwister; die biologischen Eltern von ADHS-Erkrankten sind in etwa 18 Prozent der Fälle ebenfalls betroffen.

Im Laufe der Lebensentwicklung der ADHS-Betroffenen führt die Symptomatik oft zu verschiedenen psychosozialen Folgeerscheinungen, die wiederum Rückwirkungen auf den Störungsverlauf haben und die Entstehung von Folgeerkrankungen erheblich beeinflussen. Durch die neurobiologisch bedingte Störung der Selbstregulation und Impulskontrolle kommt es beispielsweise immer wieder zu Konflikten mit Eltern, Gleichaltrigen und Lehrern, was durch ungünstige Bedingungen in Familie und Schule noch verstärkt werden kann.

Da die Verhaltensschwierigkeiten keineswegs durchgängig in allen Situationen beobachtet werden können, werden einige wichtige ergänzende psychologische Faktoren genannt, welche bei Aufmerksamkeitsstörungen vorgefunden werden können. Ein wichtiger Bestandteil der Krankheit ist die mangelnde Fähigkeit, einen angemessenen Belohnungs- und Bedürfnisaufschub zu akzeptieren. Den Betroffenen fehlt die Möglichkeit, sich in bestimmten, angemessenen Situationen selbst zu motivieren, vor allem dann, wenn eine längere Aufmerksamkeitsleistung erforderlich ist. Des Weiteren gilt aus psychologischer Sicht, dass es keine generelle Schwäche der Verhaltensregulation bei ADHS-Betroffenen gibt. Die mangelnde Verhaltensregulation tritt lediglich in ganz bestimmten Situationen auf, die bestimmte Bedingungen verlangen.

Bei besonderem aversiven, kontrollierenden und verhärtetem Erziehungsverhalten besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die Verhaltensprobleme des Kindes ausweiten und auch außerhalb der Familie auftreten. Dadurch wird oft eine Verstärkung der Symptomatik bewirkt sowie die Entstehung komorbider Symptome begünstigt (wie Leistungsdefizite, aggressives Verhalten und emotionale Störungen). Oft entsteht ein regelrechter Teufelskreis. Moderne Therapieansätze von ADHS streben daher neben der medizinischen und psychologischen Behandlung auch eine positive Gestaltung des Umfelds der Betroffenen an, da dieses für den Krankheitsverlauf mitverantwortlich ist. Bislang sind jedoch keine Faktoren bekannt, die eindeutig belegen, welche Bedingungen eine primäre Rolle für die Entstehung einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung spielen.

Ein Kommentar

  • Der Br

    Hallo!

    Es ist grundsätzlich denke ich einmal sehr schwierig festzustellen, ob AD(H)S oder nicht.

    Eine bildgebende Diagnostik ist vielleicht hilfreich – aber woran erkennt der Doc nun genau ob es ADHS, Asperger-Syndrom, Schizophrenie – längerer Schlafentzug oder Drogenmissbrauch ist…?

    Ich habe in Küre einen Termin bei einem Neurologen, und die Dame am Telefon meinte, es müsste ein EEG erstellt werden; erst dann könnte mit Sicherheit ein Rezept ausgestellt werden, was für mich eine eindeutige Diagnose voraussetzt.

    Zu den Ursachen:

    „Bei besonderem aversiven, kontrollierenden und verhärtetem Erziehungsverhalten besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich die Verhaltensprobleme des Kindes ausweiten und auch außerhalb der Familie auftreten. Dadurch wird oft eine Verstärkung der Symptomatik bewirkt sowie die Entstehung komorbider Symptome begünstigt (wie Leistungsdefizite, aggressives Verhalten und emotionale Störungen).“

    Das kann ich bestätigen, genau darunter hatte ich EXTREM zu leiden.

    Nun zur Hauptfrage:

    Kommt nan durch Selbstreflektion wirklich zu dem Schluß, allen als für AD(HS) typischen Merkmalen von Kind an zu entsprechen – ist das dann schon eine „Diagnose“ (man teilt das ja auch nur dem Arzt so mit…) oder, und das ist noch viel wichtiger, fällt es einem nur so leicht, das zu glauben? Die Lösung des Lebensproblems mit der Einnahme (eines vielleicht noch so umstrittenen) Wirkstoffes zu lösen klingt verdammt verführerisch.

    Welche Alternativen gibt es dazu, wer hat Erfahrungen damit ?

    Bär

Schreibe einen Kommentar