Was ist ADS bzw. ADHS bei Erwachsenen

Die meisten Leute, die entdecken, daß Sie ADS haben, egal ob Kinder oder Erwachsene, haben bis dahin viel Leid erfahren.
Die emotionelle Erfahrung des ADS beinhaltet Scham, Demütigung und Selbstkasteiung. Wenn die Diagnose gestellt ist, haben viele Menschen mit ADS ihr Selbstvertrauen bereits verloren. Viele haben bereits zahlreiche Fachleute konsultiert, ohne dabei wirkliche Hilfe gefunden zu haben.

Dadurch haben viele die Hoffnung verloren. Der wichtigste Schritt zu Beginn der Behandlung ist, wieder Hoffnung zu geben. Personen mit ADS haben oft vergessen, daß Sie positive Eigenschaften haben. Sie können schon vor langer Zeit das Gefühl für die Möglichkeit verloren haben, daß sich Dinge zum Guten wenden.
Sie sind oft eingefangen in einer Art zähem Verhaltensmuster, bei dem Sie alle Theorie, beträchtliche Tatkraft und Energie sowie Ihre ganze intellektuelle Leistungsfähigkeit nur dafür aufbringen, um Ihren Kopf über Wasser zu halten.
Es ist ein tragischer Verlust, das allzu frühe resignieren im Leben. Aber viele Menschen mit ADS haben keinen anderen Weg, als den des wiederholten Versagens gesehen. Zu hoffen bedeutet für Sie, nur ein weiteres Mal einen Niederschlag zu riskieren. Und doch ist deren Kapazität zu hoffen und zu träumen immens. Mehr als die meisten anderen Menschen haben Personen mit ADS eine visionäre Vorstellungskraft.
Sie denken große Gedanken und träumen große Träume.
Sie können in ihrer Vorstellungswelt aus der kleinsten Gelegenheit einen großen Durchbruch machen.
Sie können aus einer Zufallsbegegnung einen wunderschönen gemeinsamen Abend machen.
Sie leben von Träumen, und Sie benötigen organisatorische Methoden um sinnvoll handeln zu können und auf der richtigen Spur zu bleiben.
Aber wie die meisten Träumer, sacken Sie ab, wenn der Traum zusammenbricht.
Bis die Diagnose ,,ADS“ gestellt wurde, ist dieses Absacken in der Regel schon so oft geschehen, daß Sie davor zurückschrecken, neue Hoffnung zu schöpfen. Das kleine Kind bleibt lieber still, bevor es noch einmal riskiert, verspottet zu werden. Der Erwachsene läßt lieber den Mund zu, als daß er nochmals das Risiko eingeht, alles zu vermasseln.
Die Behandlung ,,muß“ deshalb mit Hoffnung beginnen.
ADS wird genetisch übertragen. Sie hat eine biologische Ursache in der Art, wie das Gehirn geschaltet ist. Es ist KEINE KRANKHEIT des Willens und auch kein moralisches Versagen. Es wird weder durch Charakterschwäche noch durch Unreife verursacht.
Eine Heilung kann weder durch Willensstärke (,,Konzentriere Dich…“ oder ,,Man kann doch erwarten, dass…“), noch durch Bestrafung oder drohenden Konsequenzen (,,Wenn Du nicht, dann…“   oder   ,,Ich sag Dir nur eins: Wenn Du […], dann passiert […]“), noch durch Opfer oder Schmerzen erzielt werden. Viele Menschen mit ADS haben große Probleme damit, zu akzeptieren, daß das Syndrom eine neurobiologische Ursache hat und keine Charakterschwäche ist.

In Amerika widmen sich bereits seit einigen Jahren Ärzte und Psychotherapeuten mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom der Erwachsenen mit und ohne Hyperaktivität. Der Erwachsene ist zwar in der Regel nach außen hin nicht mehr hyperaktiv im Sinn einer ständig imponierenden motorischen Unruhe, hat jedoch nach wie vor das Problem, ausgesprochen reizoffen zu sein, hypersensibel, impulssteuerungsschwach. Entsprechend seiner individuellen Lerngeschichte und seiner Grundbegabung kann er mehr oder weniger kompensieren. War das ADS-Syndrom in der Kinderzeit nur mäßig stark ausgeprägt, die Umgebung liebevoll, konsequent und einschätzbar, die Intelligenz durchschnittlich bis überdurchschnittlich, kann der Erwachsene unauffällig erscheinen – obwohl er in der Regel mit seiner ausgeprägten Sensibilität, seinem hohen Anspruchsniveau und seiner Stimmungslabilität auch immer wieder zu kämpfen hat. War die Lebensgeschichte eher schwierig, entstand im Vorschulalter bereits ein Schuldgefühl durch die Reaktion der erziehenden Umgebung auf die impulsiven Handlungen und Äußerungen, im Grundschulalter das Gefühl des Ausgegrenztseins oder des Versagens bei dem Gewahrwerden der Tatsache, mit Gleichaltrigen nicht gut auskommen zu können, in der schriftlichen Umsetzung schlechter zu sein als die anderen, in der Pubertät schlußendlich Verwirrung bei der Feststellung, sich selbst nur schwer einschätzen zu können, die Eigenleistung entweder zu über- oder zu unterschätzen, ist das Erwachsenenalter nicht unbelastet. Diese zweite Variante ist eher die typische Form.

Eigentlich ist das ADS wahrscheinlich auf eine Stoerung der Impulskontroll zurueckzufuehren. D.h. die Betroffenen handeln schneller als sie denken bzw. reflektieren koennen. Oder mehrere Wahrnehmungen (Geräusche, äußere Einflüsse), Gedanken , Vorhaben finden gleichzeitig statt. Besonders „nervig“ fuer Aussenstehende sind daher Gefuehlsausbrueche bzw. ein „Ausrasten“ bei geringer Frustrationstoleranz.

Bedingt durch die inzwischen als sicher anzunehmende „Andersartigkeit im Hirnstoffwechsel“ (verminderter Glukose-Metabolismus in verschiedenen Hirnregionen, speziell präfrontal und prämotorisch, bei zwingend anzunehmendem Mangel an hemmenden Neurotransmittersubstanzen auf Stammhirnebene) kämpft auch der Erwachsene noch damit, viel zu viel aufzunehmen und sich nicht immer situationsangepaßt einbremsen zu können.

Früher oder später merkt er immer deutlicher, daß er nur dann gut leisten kann, egal in welchem Kontext, wenn er wirklich motiviert ist. Ist er es nicht, weil eine Sache langweilig oder zu schwierig ist, tritt auch bei ihm, wie beim Kind, mentale Ermüdung ein. Entweder ihn begeistert eine Sache oder eine Person, weil neu oder interessant und er kann gut leisten oder er findet etwas nicht fesselnd oder gar uninteressant – dann hat er größte Mühe damit, etwas zu leisten. Ein mittleres Aktivierungsniveau bei nur mäßiggradiger Motivationslage ist ihm nicht möglich.

Kleinste Reize können beim Erwachsenen, ebenso wie beim Kind einen Stimmungsumschwung auslösen, es reicht der Beginn einer Melodie, ein Beleuchtungswechsel, eine Redewendung, etc.

Das Einschätzen von Zeiträumen ist und bleibt schwierig, der Erwachsene neigt dazu, in zu kurze Zeiträume viel zu viel „hineinzupacken“, versetzt sich selbst in Hektik, schießt mit dem Erregungsniveau hoch, kann dann nur schlecht leisten. Wie das Kind, hat auch der Erwachsene das Problem, im richtigen Moment den „richtigen“ Reiz aus dem großen Reizangebot herauszusuchen, ihn lange genug zu fokussieren und dann wieder im „richtigen“ Zeitpunkt wieder loszulassen, um auf einen anderen Reiz mit seiner Aufmerksamkeit überzugehen. Er neigt dazu, von einer Tätigkeit mit den Gedanken abzuschweifen, gleichzeitig auch noch anderes wahrzunehmen, springt mit den Gedanken, assoziiert auf seinem Lern- und Erfahrungshintergrund einen Gedanken an den nächsten, kommt vom Thema ab. Auch er lebt primär ausschließlich im „Hier und Jetzt“, er reagiert rasch, denkt oft über die Folgen einer spontanen Reaktion nicht nach. Findet er z.B. einen anderen Menschen sympathisch, teilt er sich offen mit, „blättert sich auf“, macht Zusagen – die Auswirkungen und die Tragweite merkt er in der Regel erst später. So ist er spontan sehr hilfsbereit, erfaßt schnell, um was es geht, kann gut improvisieren, kann dann auch bei hoher Motivation und Verstärkung vom Umfeld spontan viel und kreativ leisten, hat aber Schwierigkeiten, sobald es um ein ausdauerndes Tun im nicht so interessanten Zusammenhang geht, wenn die Begeisterung erlischt.

Die Folgen seines Tuns irritieren ihn, er hat häufig das Gefühl des Nichtgenügens, Ziele nicht zu erreichen, völlig unabhängig davon, wieviel er bereits erreicht hat, ist unzufrieden mit sich selbst, irritabel, neigt zu Überbewertung von Kritik und zur Überinterpretation der Aussagen und der Handlungen seiner Mitmenschen.

In einer Phase der Selbstzweifel plötzlich abgelenkt, oder konfrontiert mit einer neuen, interessanten Aufgabe, kann sich die depressive Verstimmtheit rasch auflösen. Viele Erwachsene mit ADS kennen von sich, daß sie ihre Sorgen tatsächlich am Wohn-/Arbeitsort zurücklassen können, wenn sie auf Reisen gehen, sich am anderen Ort in jeder Hinsicht anders fühlen – mit erheblichen Ängsten kurz vor Rückkehr, mit den Alltagssorgen wieder belastet zu sein.

Als „Meister der Selbstsabotage“ ist der Erwachsene oft chronisch unentschlossen oder hat Probleme mit etwas, was er bearbeiten sollte, zu beginnen, schiebt ihm Unangenehmes bis zu allerletzten Zeitpunkt auf, neigt dazu, zu Erledigendes auf Haufen zu stapeln (mit der Maßgabe, es dann zu vergessen), ist leicht beeinflußbar, wenn aus seiner Sicht jemand „Kompetentes“ etwas sagt, findet es schwierig, sich selbst zu organisieren.

Je bereizter und hektischer sein Umfeld ist, je komplexer die Anforderungen werden, desto schlechter geht es ihm. Er hat ein unbestimmtes Gefühl, doch etwas wert zu sein und etwas zu können, erlebt aber, daß er im Umsetzen nicht annähernd das hinbekommt, was er gern erreichen möchte. Je nach Lerngeschichte, Temperamentslage, Partnerkonstellation, neigt er dann entweder dazu, die Schuld nur sich selbst oder nur den andren zuzuweisen, fühlt sich falsch verstanden, wandert mit den Gedanken in sein eigenes „Traumschloß“ ab (wenn ich einmal alles geschafft habe, dann werde ich…). Die Anspannung ist in der Regel hoch, Somatisierungstendenzen, wie Kopfschmerzen, „nervöse“ Magen- und Darmbeschwerden, Herzrhytmusstörungen sind nicht selten. Überreizungszustände können der Auslöser sein für Panikattacken.

Wie dem Kind, kann auch dem Erwachsenen medikamentös mit Stimulantien-Präparaten geholfen werden; die Forschungsergebnisse zeigen, daß der Erwachsene in der Regel niedrigere Dosierungen braucht als das Kind. Ist der Erwachsene „Responder“ erlebt er das Gefühl, in sich harmonischer zu sein, sich besser organisieren zu können – Strategien hierfür muß er aber auch erst lernen. Am häufigsten in der Diskussion ist das Methylphenidat (Ritalin, Concerta u. a.), das im Kindes- und Jugendalter auch die besten Erfolge aufweist (nebenbei ohne Suchtgefahr!). Neu für Kinder und Jugendliche auch Atomoxetin. Gesamthaft gesehen lohnt sich auf jeden Fall ein Behandlungsversuch. Oft spürt der Betroffene gar nicht so viel, sein Umfeld aber sehr wohl. Das besteht dann auch meist darauf, die medikamentöse Behandlung fortzusetzen, was letztlich Bände spricht…
Die Bitte der Betroffenen (und seiner Umgebung) lässt sich auf jeden Fall auf vier Stichworte reduzieren: ,,ruhiger – konzentrierter – gelassener – sortierter“. Das ist in der Regel ausreichend leistbar. Wenigstens ein kleiner Trost nach einem bis dahin oft frustrierenden Leben.
Es tut ihm gut, wenn er einen sogenannten „Coach“ findet, eine Person, die ihm signalisiert, ihn zu mögen, die ihn aufmuntert, ehrlich aber auch spiegelt, was er gerade tut. Er muß lernen, seinen Alltagsablauf strukturell zu planen, muß lernen, Selbstgespräche zu führen, wenn er an eine schwierige Aufgabe herangehen soll, er muß sich Zeitpunkte setzen, an denen mit einer Sache begonnen werden soll, Aufgabenlisten anlegen mit Abstrichen der jeweils durchgeführten Tätigkeit.

Hilfreich ist es für ihn speziell, andere mit der gleichen Problematik zu finden. Es ist entlastend festzustellen, daß man nicht nur selbst ein funktionierender „Nichfunktionierer“ ist, sondern daß es auch noch andere davon gibt.

Von den anderen ist er gewillter, Bewältigungsstrategien anzunehmen als vom eigenen Lebenspartner. Das allerwichtigste ist allerdings die Erkenntnis, daß er nicht „dumm, faul oder verrückt“ ist oder in irgendeiner Form psychiatrisch krank, sondern einen Wahrnehmungsstil hat, der einfach etwas anders ist und es einem schwierig macht, in einer Welt leben zu müssen mit der Auffassung, daß man möglichst früh für sich selbst verantwortlich sein muß und im Leistungs- wie auch im sozialen Kontext zu funktionieren hat. Es ist entlastend zu erkennen, daß es nicht primär ein Fertigkeitenproblem ist, sondern ein Steuerungsproblem, das erst angegangen werden kann, wenn man persönlich die Hintergründe kennt. Mit steigendem Selbstwertgefühl erhöht sich die Motivation, sich selbst zu organisieren, entsprechend verbessert sich die situationsangepaßte Selbstdarstellung.

Leider ist das Phänomen im Erwachsenenalter in Deutschland noch sehr wenig bekannt, es bleibt zu hoffen, daß sich in der nächsten Zeit zunehmend Gruppen bilden, sich zunehmend Fachleute für die Problematik auch beim Erwachsenen interessieren, der nicht selten durch seine mangelnde Steuerungsfähigkeit schwerst belastet ist.

Die Erfahrung der Berichtenden zeigt, daß die Diagnose an sich der allerwichtigste Schritt ist, das „sich selbst erklären Können“ drastisch entlastend wirken kann, speziell wenn bereits mit verschiedenen ansetzenden Psychotherapien Anstrengungen ohne nennenswerten Erfolg unternommen wurden, Medikation mit Psychopharmaka ebenfalls ohne nennenswerten Erfolg, nach Versuchen der Selbstmedikation (überwiegend Alkohol), schwierigen, selbstbewältigten Lebensläufen mit häufigen Beziehungsabbrüchen, etc.

Die eigene Erfahrung in der Behandlung des ADS-Erwachsenen zeigt, daß ein wirklich stabilisierender Faktor bei der Bewältigung der Probleme die Gruppe ist – die Begeisterung für medikamentöse Behandlung nimmt durch von Dritten beobachteten Erfolg rasch ab, weil sich nicht alle Probleme damit lösen, die Begeisterung für verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Psychotherapie ebenfalls, spätestens, wenn sich nicht sofort die erwünschten Erfolge einstellen … (eben typisch ADS) – das Beobachten des Auf- und Ab bei „Leidensgenossen“ wirkt motivierend und ermunternd, doch weiterzuarbeiten und durchzuhalten.

Ein Mensch mit ADS (engl. ADD) hat eine andere Biologie, die ihn anders reagieren lässt, ihn anders mit Situationen und Zeitabläufen umgehen lässt.
Diese andere Biologie verfügt über einen Reigen von genetischen Abweichungen, die weltweit zu finden. Es gibt aber wohl kein einzelnes Gen für ADD und andererseits gäbe es eins, könnte man noch immer darüber streiten, ob dies nun ein „krankes Gen“ oder nur ein „abweichendes Gen“ ist.
Kräfte werden kurzfristiger auf- und abgebaut, daher müssen Ziele motivierend und sichtbar sein, der Hang zum Rückzug aus wenig überzeugenden Situationen scheint nur von dem Hang übertroffen, die Situation brachial zu verändern und entweder mit Sinn zu versehen oder zu beenden. Eine anti-abstrakte Haltung scheint in vielen Fällen vorzuliegen.
Kurzfristiger Kräfteeinsatz wird in der Regel mit starken Wünschen verbunden, eine Belohnung wird sich selbst ausgelobt, eine Zigarette, der nächste Kaffee, eine sexuelle Fantasie wird mit der Aufgabe verbunden.
Langfristiger Kräfteeinsatz ist meist nur für „große“ Ziele möglich, aber auch dann braucht es oft noch „faule Zeiten“ und die Auflösung der Selbstverpflichtung auf dieses Ziel hin. Vielleicht hat dies etwas mit der Erfahrung oder der Befürchtung von Kräfteverlust zu tun, der als große Gefahr und Schutzlosigkeit angenommen wird.
Die  Fokussierung auf Banales gelingt schlecht, anscheinend läuft im Hintergrund ein Gedanke mit, etwas Wichtigeres tun zu sollen, nur ist meist nicht bekannt, was von allen Dingen nun dieses Wichtigere sein muss. Es kommt zu Verzettellungen und halbherzigen Aktionen, wenn es keine zentralen Notwendigkeit oder Aufgabe gibt.
Manchem ADDer gelingt es, sich perfekt für die Arbeit zu organisieren und seine gesamt verfügbaren Ressourcen hierfür bereitzustellen, um die Vorgaben zu erfüllen. Dies scheint aber nur ein Scheinerfolg zu sein, der schlimmstenfalls irgendwann von einem Burn-Out gefolgt wird. Eine fatale Scheinlösung der Problemstellung also.
Die Zeit hilft über manches hinweg. Mit fortschreitender Erfahrung und Alter spielen sich die Erwartungen und die Mittel, diese zu verwirklichen, aufeinander ein. Aber dies braucht mitunter auch starke Einbrüche und echte Desaster, weil von vielen ADDern nur intensive Erfahrungen als endgültige Wahrheiten akzeptiert werden. Und eine Übertragung auf neue Problemstellungen findet nicht immer statt. Es könnte diesmal vielleicht auch anders laufen…
Das Kunststück des ADD-Menschen besteht daraus, sich mit der Umgebung in eine intensive Beziehung zu begeben, sich mit dem Gehörten, Gelesenen vollständig abgleichen zu wollen und eine Vollständig in der Übereinstimmung von Ich und Umwelt zu erstreben, die in einer hochkomplizierten Welt nur schlecht möglich ist oder eben nur aus einer Position des Regelaufstellers heraus sinnvoll gelingen kann.
Nun hat nicht jeder ADDer den Mut, die Regeln vorzugeben, es gibt auch den eher submissiven Typ, der aus einer passiven Haltung heraus erwartet, dass andere die Regeln für ihn zurechtrücken.
Auf dem Weg, dieses Kunststück täglich vollbringen zu wollen, gibt es viele Hindernisse – (z.B. läuft der das Meeting fort, obgleich der Teilnehmer seine Verknüpfungen noch nicht durchforscht  hat und eine geistige Einsortierung nicht hat vornehmen können, so daß er nicht folgen kann). Viele ADDer bleiben auf diesem Weg hängen (hyperfokussieren auf ein bestimmtes Detail), verfangen sich in Lösungsversuchen, die nicht aufgehen können.
Dies kostet in der Regel zu viel Kraft und ermüdet den ADDer in der Regel rasch, wenn er nicht Bestätigung in diesen Versuchen erfährt. Er  grenzt sich bei Enttäuschungen durch Opposition ab oder schaltet unbewußt ganz ab.
Wutanfälle oder Rückzug sind oft Wegbegleiter dieser enttäuschenden Entwicklung.
„Fear is the mother of violence“, es steckt hinter den auffälligsten Verhaltensproblemen oft eine Grundverunsicherung und das Gefühl der Niederlage, in einer Auseinandersetzung, die ein scheiternder ADDer nicht genauer definieren kann.
Er und andere glauben dann vielleicht an eine Reizüberflutung (wenn der eigene Ansatz verloren ging), unserer Meinung nach handelt es sich aber um ein Versagen bei dem Versuch, etwas in diesen Zeiten unmögliches zu vollbringen.
Das vitale Lernziel für einen ADDer sollte sein, die vorhandenen Stärken zu nutzen und die Umstände zu lenken, damit diese Stärken mehr und öfter zum Einsatz kommen, als die vorhandenen Schwächen.
Wenn er seine Natur erkennt, wird er mit Übung (allein oder mit einer Anleitung) oft genug erstaunliche Ergebnisse erzielen und Schwächen umlenken oder meistern können.

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