Was macht Ad(H)S mit den Betroffenen? – Warum hilft Methylphendidat?

Wie die meisten von Euch wissen, habe ich über meine facebook-Gruppen dieses Thema bereits häufiger behandelt. Ein Mitglied bat mich nun erneut zu erklären, was genau bei AD(H)S betroffenen passiert, wenn Sie Ihre Konzentration verlieren und Dinge fokusieren, die nicht eingeplant waren. Was sind also die vielfältigen Ursachen der AD(H)S?

AD(H)S ist mit oder ohne „H“ eigendlich die gleiche Störung. Studien und wissenschaftlichen Abhandlungen scheinen zu bestätigen das bei AD(H)S Betroffenen ein Dopamin- und/oder Noradrenalinmangel besteht. Das bedeutet, das der Körper den Botenstoff Dopamin zu schnell abbaut, ein permanent zu niedriger Spiegel die Folge ist, und dadurch manigfaltige Verhaltensprobleme entstehen. Dies ist bei Kindern- und Erwachsenen Befroffenen gleichermaßen so.

Das Gehirn kann den Mangel an Dopamin nicht einfach anpassen. Die Motivation und Konzentration ist somit wie ein Selbstläufer, aus sich selber heraus „fremdgesteuert“. Dies ist auch nicht verhandelbar, es ist einfach so. Der Hinweis „Konzentrier Dich mal“ wird nur kurz anhalten und der AD(H)S Betroffene hat keinen Kompensationsmechanismus um etwas gegen die eigene Ablenkung einzuwenden. Dopaminmangel eben.

Je nach Ausprägung der AD(H) Störung wird es immer Alternativen geben, die den Geist etwas aufhellen oder die Konzentration schärfen. Doch vergessen wir nicht die körperlichen Ursache. Dieser ist weiterhin vorhanden und somit auch die aus sich selber heraus agierende Ablenkbarkeit. Ein fallendes Blatt, die laute Straßenbahn, die interessante Internetseite, die spielenden Kinder auf der anderen Straßenseite, all dies führt zur Zerstörung der echten, bei nicht Betroffenen Menschen, angenehmen und interessentsbezogenen Motivation. Dies ist auch der Grund weshalb ich gerne die AD(H)S Ablenkung mit einer „fremdgesteuerten Motivation“ beschreibe. Eine „böse“ und „zerstörerische“ Motivation. Diese kann zwar auch „versehendlich“ zielgerichtet sein, und daher zu dem Missverständnis führen, der Betroffene könne sich doch gut Konzentrieren („Du kannst es doch sonst, warum jetzt nicht mehr?“), in den meisten Fällen führt es aber zu Ergebnissen die der Betroffene selber nie eingeplant hatte.

Dazu gehört auch der Hyperfokus oder das Hyperfokussieren. Es ist eine spezielle Art der Konzentration, zu der ein Aufmerksamkeitsdefizit-Betroffener unter bestimmten Umständen fähig ist. Während der Betroffene normalerweise starke Probleme hat, seine Konzentration ausdauernd bei einem Thema zu halten, kann er, wenn die oben beschriebene Motivation besonders stark ist, im Gegensatz dazu eine extreme Konzentration für ein Thema aufbauen, die es ihm ermöglicht, sehr schnell das Thema zu durchdringen, auch am Rande erwähnte Details aufzunehmen und ohne Pause sehr lange intensiv das Thema zu bearbeiten. Hierbei ist die Motivation wiederum nicht vom Betroffenen beeinflussbar. Das heisst, das die Fokussierungen, aus der die Ablenkung oder die Zielorientierung resultieren, für aussenstehende Personen sowohl negativ als auch postiv auffallen können (Heute so, morgen so).

Rückblickend ist für den Betroffenen jede falsch gerichtete Fokussierung, mit oder ohne Motaivation, unangenehm und belastend. Speziell dann, wenn der Betroffene zur Schule geht oder seinem Beruf nachgehen muss. Denn er erreicht häufig nicht sein Ziel oder kann den Level nicht halten. Die Überforderung dieser Zustände kann Frustration, Trauer oder Wut auslösen.

Häufig hilft da nur noch Methylphenidat. Einfach ausgedrückt hemmt Methylphenidat die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin, wodurch eine höhere Dopaminkonzentration im synaptischen Spalt erreicht wird.

Für Betroffene ist jedoch das Ergebnis der Wirkung wichtiger: Durch den normalisierenden Dopaminspiegel kehrt der Betroffene in eine normale Welt zurück. Er wird nicht mehr „fremdgesteuert“ durch seine eigene Störung. Die durch den Dopaminmagel bereits beschriebenen Probleme, werden oft gänzlich eleminiert, solange das Medikament wirkt. Nur wer nicht versteht, was AD(H)S istund was dies eigendlich für einen Betroffene in aller Konsequenz bedeutet (wie oben beschrieben) , wird Methylphenidat ablehnen. Für den Betroffenen ist die Diskussion um die Pharmalobby daher nur ein Nebenschauplatz. Ich kann daher auch nur an nicht Betroffenen bzw. nicht betroffene Eltern, die ohne ausreichende Erkenntnis der Thematik, zu dubiosen Meinungsschleudern werden: Lernt ersteinmal die Störung AD(H)S kennen!

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